Gedenkfeier für die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano

//Gedenkfeier für die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano

Gedenkfeier für die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano

Mitten in den Sommerferien, am 10. Juli 2021, ereilte die Schulgemeinschaft die traurige Nachricht, dass Esther Bejarano im Alter von 96 Jahren in Hamburg verstorben ist. Für die Studierenden des TSK war schon zu diesem Zeitpunkt klar, dass ein gemeinsames Gedenken organisiert werden soll, um sich von Esther verabschieden zu können.

Viele Studierende und Lernende kennen Esther Bejarano persönlich, denn im Juli 2018 ist sie zusammen mit ihrem Sohn Joram und Kutlu Yurtseven von der „Microphone Mafia“ in der Aula unserer Schule aufgetreten, hat aus ihren „Erinnerungen“ vorgelesen und Lieder wie „Bella ciao“ gesungen

Die Geschichtslehrerinnen Frau Bartel, Frau Perez und Frau Breyther erklärten sich nach dem Tod von Bejarano sofort bereit, zusammen mit den Studierenden eine Gedenkfeier zu gestalten.

Am 09. November 2021 war es nach einigen Wochen der Vorbereitung soweit, es  trafen sich rund 50 Studierende im Biologieraum der Schule, um gemeinsam Abschied zu nehmen.

Nach einer kurzen Begrüßungsrede durch den stellvertretenden Schulleiter Christoph Nabbefeld, der vor allem die Bedeutung des 09.11. als „Schicksalstag der Deutschen“ hervorhob, folgten mehrere Vorträge der teilnehmenden Semester. VM 5 beschäftigte sich unter der Leitung von Frau Bartel mit den Etappen der Judenverfolgung und stellte im Anschluss Stationen aus Esthers Leben vor:  Bejarano wurde am 15. Dezember 1924 als Esther Loewy und jüngstes von fünf Geschwistern in Saarlouis geboren. Ihr Vater war jüdischer Lehrer und Kantor. Ihre Eltern wurden 1941 von den Nazis in Litauen umgebracht, sie selbst musste in einem Lager Zwangsarbeit leisten, bevor sie Anfang 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert wurde. Dort überlebte Bejarano nur, weil sie im Mädchenorchester des Lagers Akkordeon spielte. Sie ging nach dem Krieg zunächst nach Israel, zog dann aber 1960 mit ihrem Ehemann nach Hamburg und engagierte sich viele Jahre gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.

Mit dem Komplex „Zeitzeugenarbeit“ beschäftigte sich das Semester VM 2a unter der Leitung von Frau Breyther: die Studierenden stellten allerdings nicht nur Esthers jahrzehntelangen Kampf gegen Rassismus und Extremismus in den Fokus, sondern stellten sich auch die Frage, wie man nach dem Tod der Zeitzeugen an die Gräuel der Nazis erinnern kann. Die Ideen reichten über Gedenkstättenfahrten, eine veränderte Unterrichtskultur (Opfer- anstelle der Täterperspektive) bis hin zur Schaffung von schulischen Erinnerungsorten. Am TSK möchten wir dies machen, indem wir z.B. ein Porträt von Esther aufhängen, das von Rayida Barkisch (VM 2a) im Rahmen des Unterrichtsprojekts gemalt worden ist.

Die Veranstaltung endet mit einer Gesangseinlage des Semester VM IIIb unter Leitung von Frau Perez: Die Studierenden sangen das Lied „Du hast Glück bei den Frau´n, Bel Ami“, das Esther so oft im KZ Auschwitz spielen musste, mit einem neuen, selbst geschriebenen Text. Dieser Schlager steht für ihr Überleben in Auschwitz und gleichermaßen für den Horror des Naziregimes. Die Musik begleitete den Weg der Mitgefangenen zur Arbeit und ins Lager zurück. Und es wurde aufgespielt, wenn die Todeszüge zu den Gaskammern fuhren. Für die Zuhörer/innen wurde während dieser rührenden Performance sofort klar: die Schulgemeinschaft des TSK möchte jetzt für Esther weiterkämpfen und sich im Rahmen von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ gegen Rassismus und Extremismus einsetzen. Denn: „Ihr tragt keine Schuld für das, was passiert ist, aber ihr macht euch schuldig, wenn es euch nicht interessiert“ (Esther Bejarano).

Text und Bilder: Frau Breyther

2021-11-12T12:41:32+00:00
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